Es regnet weiter. Seit Tagen schon ist das Wetter trübe, und man geht nur wenig nach draußen. So kommt es, daß die Kinder mal wieder auf die Idee kommen, daheim zusammen zu spielen. Sie gehen zur Mutter, und fragen sie, ob sie mit ihnen Schule spielt.
” Ich habe hier noch etwa eine halbe Stunde zu tun, aber danach gern “, antwortet sie.
Die Kinder freuen sich, und bauen begeistert ihre kleine Schule auf. Bald kommt die Mutter herein und grüßt:
“Assalamu ‘aleikum Kinder!”
“Wa ‘aleikum assalam, wa rahmatu-Ilahi wa barakatuh, Frau Lehrerin-.
antworten die Kinder so, wie sie es immer beim Schulespielen machen. Die Mutter sagt:
“Heute werde ich euch wieder von unserem Propheten erzählen. Wisst ihr. nicht alle Menschen behandeln die Kinder lieb, manche sind sogar sehr hart zu ihnen. Unser Prophet Muhammad, Allahs Segen und Heil auf ihm. hat gesagt:
“Zu uns gehört nicht derjenige, der nicht barmherzig ist mit unseren Kleinen und unsere Alten nicht achtet.”
Sie wartet einen Moment, dann fragt sie:
“Habt ihr das verstanden?”
Die Kinder überlegen.
“Was heißt denn barmherzig?”, fragt Yusuf.
“Vielleicht kann ich euch das so erklären”, sagt die Mutter, “derjenige gehört nicht zu uns Muslimen, der nicht lieb ist zu den Kindern, und der nicht gut auf sie acht gibt.”
Yusuf meint:
“Und was ist da der Unterschied, auf die Kleinen achten und die Alten achten?”
“Das ist gar nicht so schwer zu verstehen: Kinder müssen noch viel lernen, man muß also auf sie achten, auf sie aufpassen, ihnen Wissen beibringen. Bei den älteren Menschen ist das aber ganz anders. Sie haben viel Wissen und Erfahrung, von der wir jüngeren etwas lernen können. Darum wollen wir Sie achten und freundlich behandeln. Gute Worte sind da besonders wichtig, aber man kann auch etwas für sie tun. Habt ihr eine Idee?”
“Na klar”, äußert sich Yusuf, “wenn Oma oder Opa mich bitten, ihnen etwas zu holen, dann mache ich das.”
“Schön, Yusuf”, lobt ihn die Mutter, “aber denkt auch mal daran, daß zu den Älteren auch noch andere gehören.”
“Ja”. ruft Yasmin, “schau mal, manche können doch nicht mehr gut laufen oder sehen. Das ist aber sehr gut, wenn man ihnen hilft.”
“Richtig, Yasmin”, wird Yasmin auch gelobt, “Respekt hat man aber nicht nur vor sehr alten Menschen, sondern auch vor denen, die nur wenige Jahre älter sind. So ist es beispielsweise üblich, daß auf Arabisch und Türkisch die eigene Schwester, die ein paar Jahre älter ist, “Abla” genannt wird. Wem konnte man noch besonderen Respekt entgegenbringen?”
“Dem Lehrer zum Beispiel”, ruft Yusuf, “und Tanten und Onkeln.”
“Gut wem noch Yasmin?”
“Den Vater soll man achten”, antwortet sie.
und Somaya freut sich:
“Ja. und auch die Mutter.”
“Fein, Somaya”, sagt die Mutter und fährt fort:
Hört euch das mal an:
” Umar und Abu Bakr waren zwei Gefährten des Propheten Muhammad a.s.w.s.. Als der Prophet starb und Abu Bakr Kalif wurde, erfuhr er von einer blinden, alten Frau, die sich selbst und ihren Haushalt nicht mehr versorgen konnte. Auch ‘Umar erfuhr davon und beschloss lange vor dem Morgengebet aufzustehen, um dieser Frau zu helfen.
Doch immer, wenn er zu ihr kam fand er die Arbeit erledigt vor, alles war sauber, und die Frau hatte zu essen und zu trinken. So ging er am nächsten Tag schon früher los, doch abermals war alles getan. Da entschied er sich, die Nacht über zu warten, um zu sehen, wer ihm zuvorgekommen war.
Als Abu Bakr kam, um so, wie schon die Tage vorher, die blinde alte Frau zu versorgen, wunderte sich Omar und sagte:
” Immer, wenn ich versuche, mit Abu Bakr in guten Taten zu wetteifern kommt er mir zuvor und gewinnt! “
November 28, 2008 um 6:23
Hat mir sehr gut gefallen, wollte fragen ob ich die Geschichte weitererzählen darf.. ich bin Lehrerin und immer auf der Suche nach Geschichten und Unterrichtsmaterialien.
Liebe Grüße Yildiz