Dabei bei Berlin 08
Nicht ohne mein Kopftuch
Rabia ist Muslima und trägt ein Kopftuch. Über ihr Leben und ihre Religion hat sie zusammen mit dem Medienprojekt Wuppertal einen Film gemacht. Unser Redakteur Tobias Thieme sprach mit der 17-Jährigen darüber – über Vorurteile, Jobaussichten und ihren Glauben im allgemeinen.
Rabia ist Muslima und trägt ein Kopftuch. Über ihr Leben und ihre Religion hat sie zusammen mit dem Medienprojekt Wuppertal einen Film gemacht. Unser Redakteur Tobias Thieme sprach mit der 17-Jährigen darüber – über Vorurteile, Jobaussichten und ihren Glauben im allgemeinen.
Eigentlich ist es nichts besonderes. Wenn man durch die Stadt läuft, begegnet man vielen Menschen, die ein Kopftuch tragen. Aber es gibt auch genauso viele Vorurteile gegenüber den Trägerinnen. Warum überhaupt Kopftuch? Die 17-jährige Rabia erklärt es wie folgt: „Ich trage mein Kopftuch aus religiösen Gründen, weil ich nicht meine äußere Erscheinung in den Vordergrund stellen möchte. Wenn jemand auf mich zukommt, soll er mich anhand meiner Persönlichkeit beurteilen und nicht anhand meines Aussehens.“
Im Kreise ihrer Familie ist Rabia auch ohne Kopftuch anzutreffen. Aber sobald sie rausgeht oder Besuch kommt, hat sie es immer auf. Vor allem wenn man auf fremde Männer trifft sei das wichtig, sagt Rabia. Eine Burka lehnt sie aber ab: „Die würde ich nie tragen. Da sieht man ja gar nichts. Das Gesicht sehen zu können, finde ich aber sehr wichtig.“
Kopftuch, Koran und Beten
Dass Kopftuchtragen in manchen muslimischen Familien ein Zwang ist, kann Rabia ganz und gar nicht nachvollziehen: „Das hat dann nichts mit Religion zu tun. Es kann keine Religion geben in der einem etwas aufgezwungen wird.“ Sie trägt ihre Kopfbedeckung aus freien Stücken und ihre Eltern hätten auch kein Problem damit, wenn sie es nicht tun würde. Religiös erzogen wurde sie aber schon. Besuche in der Moschee und Gebete gehören für Rabia schon immer zum normalen Tagesablauf. Genauso wie in christlichen Familien eben Kirchenbesuche und gemeinsames Beten auf der Tagesordnung stehen.
Wirklich negative Reaktion aus ihrem näheren Umfeld hat Rabia bisher nicht erfahren. Auch in der Schule nicht. „Ich trage mein Kopftuch seitdem ich in der 5. Klasse bin. Die Leute in meiner Schule haben mich also so kennengelernt und gehen auch dementsprechend gut damit um.“
Dass es Vorurteile gibt, merkt die Schülerin aber schon: „Es kommt manchmal vor, dass ich beleidigt werde. Im Bus zum Beispiel”. Das sei aber eine Ausnahme, fügt sie schnell hinzu.
Den Koran sieht Rabia als „Gebrauchsanweisung für ihr eigenes Leben“ an. Gelesen hat sie ihn. Und auch mit ihren Freundinnen darüber diskutiert. Die Lektüre des Korans oder das Gespräch mit einem Moslem würden Rabias Meinung nach auch vielen Menschen helfen, ihre Vorurteile gegenüber der islamischen Religion abzubauen.
Optimistisch in den Job
In die Zukunft blickt die junge Muslima optimistisch. Auch was die Jobsuche anbetrifft. Sie denkt nicht, dass ihr Kopftuch und ihre Religion ein Hindernis sein werden: „Ich hab keine Angst davor. Ich glaube fest an die Vernunft des Menschen. Und ich denke, wenn man seine Arbeit gut macht, dann ist es egal ob man ein Kopftuch trägt oder nicht.“ Auch wenn sie weiß, dass das nicht ganz und überall stimmt: “Zum Glück will ich nicht Lehrerin oder Apothekerin werden“, sagt sie.
Text: Tobias Thieme
Foto: Privat
Info: Das Medienprojekt Wuppertal ist auch auf Berlin 08 vertreten. Am Freitag, den 13.06.2008, wird im Kinosaal von 16 Uhr bis 18 Uhr die Dokumentation „Liebe und Sex interkulturell“ gezeigt, in der Jugendliche mit unterschiedlichem Migrationshintergrund über Liebe und Sexualität sprechen. Anschließend gibt es eine Diskussionsrunde.
Links:
Einen Trailer zu Rabias Film und mehr zum Medienprojekt Wuppertal
Alles zu Berlin 08 und den weiteren Programmpunkten
Juli 6, 2008 um 10:50
Guten Tag, ich wünsch’ Dir alles Gute und viel Erfolg. Und laß’ Dich nicht von antireligiösen Ideologien unterkriegen! Es ist gut, daß Du Deine Religion lebst, und andere sollten das auch tun – ganz gleich, was die Politik darüber sagt!
Bismillah!
Harry Zingel