Der Interkulturelle Rat in Deutschland hat die Nachricht von der Tötung der ägyptischen Staatsbürgerin Marwa W. mit Bestützung zur Kenntnis genommen. Die 32-jährige Apo-thekerin, die im Landgericht Dresden einer Gewalttat zum Opfer fiel, war schwanger und hinterlässt einen dreijährigen Sohn. Ihr Mann wurde bei der folgenden Polizeiaktion im Gerichtssaal schwer verletzt.
„Die Beleidigungen, mit denen der Täter, der 28-jährige Alex W., sein Opfer bereits in der Vergangenheit tituliert hatte, lassen den Schluss zu, dass die Bluttat islamfeindlich motiviert war“, erklärte der Vorsitzende des Interkulturellen Rates, Dr. Jürgen Micksch.
Der Interkulturelle Rat warnt seit vielen Jahren vor dem Anwachsen eines antimuslimi-schen Rassismus in Deutschland, der – nach jetzigem Kenntnisstand – erstmals in ei-nem Tötungsdelikt Ausdruck gefunden hat.
Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen, denen wir unsere Solidarität und Verbunden-heit bezeugen. Von den ermittelnden Behörden erwarten wir, dass das Verbrechen um-fassend aufgeklärt und schnellstmöglich zur Anklage gebracht wird.
Bei den Untersuchungen über den Tathergang ist auch der Frage nachzugehen, wa-rum es bei dem Polizeieinsatz im Landgericht Dresden zu schweren Verletzungen des hinterbliebenen Ehemanns gekommen ist. Uns bewegt die Frage, warum er – obwohl an der Gewalttat nicht beteiligt – von den hinzukommenden Polizeibeamten fälschli-cherweise als Täter identifiziert und angeschossen wurde.
Die Tötung von Marwa W. ist ein trauriger Anlass um die Islamfeindlichkeit in Deutsch-land zu thematisieren. Dringend ist dabei auch eine kritische Auseinandersetzung mit antimuslimischen Blogs im Internet. In vielen Einträgen dieser Blogs finden sich hasser-füllte und menschenverachtende Aussagen, die mit unserer Verfassung nicht zu ver-einbaren sind.
Zugleich ist festzuhalten, dass von der Mehrheit der Menschen in Deutschland der an-timuslimische Rassismus abgelehnt wird. Zeichen der Solidarität mit der ägyptischen Familie besonders auch von politischen Verantwortlichen sind deshalb jetzt besonders wichtig.
gez. Dr. Jürgen Micksch, Vorsitzender