JERUSALEM – Begeisterung über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Reserviertheit im Fall eines Außenministers Guido Westerwelle (FDP): Israel hofft auf eine Fortsetzung des guten Verhältnisses zu Deutschland auch unter der neuen Regierungskoalition.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem sagte am Dienstag, Merkel habe in den besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland «Verantwortung, Mut und echte Freundschaft bewiesen«. In Jerusalem herrsche angesichts ihres Wahlsiegs «großer Optimismus«. «In Israel gibt es einen breiten Konsens darüber, dass die guten Zeiten in den deutsch-israelischen Beziehungen nun weitergehen oder sogar noch besser werden«, sagte Sprecher Jossi Levi.
«Tiefe Freundschaft«
Der ultra-rechte Außenminister Avigdor Lieberman hatte Merkel zuvor herzlich gratuliert. «Während ihrer Amtsjahre hat Merkel tiefe Freundschaft zu Israel, beeindruckende Sensibilität gegenüber der Vergangenheit und Treue gegenüber den besonderen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und den beiden Völkern bewiesen«, hieß es in einer Stellungnahme des Außenministers vom Montagabend.
«Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland stehen über dieser oder jener politischen Koalition und basieren auf der Erinnerung an eine tragische Vergangenheit, die nie vergessen werden wird, auf politischer Intimität und auf vielen gemeinsamen Werten«, sagte Lieberman. Während ihres letzten Besuchs in Israel habe Merkel im vergangenen Jahr einen «außergewöhnlich wertvollen politischen Dialog zwischen den beiden Regierungen« initiiert.
Ministerium schweigt
Dagegen trifft die mögliche Ernennung des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle zum neuen deutschen Außenminister auf Reserviertheit. Das Außenministerium in Jerusalem wollte sich auf Anfrage nicht zu etwaigen Vorbehalten äußern.
Zuvor hatte die Tageszeitung Jerusalem Post in breiter Aufmachung berichtet, dass die Aussicht auf einen deutschen Außenminister Westerwelle «Stirnrunzeln« in Jerusalem verursacht habe. Als Vertreter einer neuen Generation von Deutschen, die nach dem Holocaust geboren worden sei, «hat er nicht die gleiche reflexhafte Sympathie für Israel, die andere deutsche Politiker quer durch das politische Spektrum ausgezeichnet hat«.
Erinnerung an Möllemann
Das Blatt erinnert außerdem an das Jahr 2002, als der inzwischen verstorbene FDP-Politiker Jürgen Möllemann den israelischen Ex-Ministerpräsidenten Ariel Scharon und den damaligen Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Michel Friedman, in einem Flugblatt angegriffen habe. Viele deutschen Juden hätten Möllemanns Wahltaktik als anti-semitisch angesehen.
Westerwelle habe sich damals nicht sofort von Möllemann distanziert, sondern erst als Folge des wachsenden öffentlichen Drucks, heißt es weiter. Das Blatt schreibt weiter, israelische Regierungsmitarbeiter hielten die FDP wegen ihrer Haltung zu Sanktionen im Atomstreit mit dem Iran für «problematisch«.
dpa
Oktober 1, 2009 um 4:01
Nicht nur in Jerusalem, und ebenfalls nicht nur im Zusammenhang mit dem Aussenministerium loest Westerwelle Stirnrunzeln aus. Ein fettes Problem, in der Tat.